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Rehabilitation für Schwerhörige und Ertaubte

Der Personenkreis

Beim Personenkreis Schwerhörige und Ertaubte handelt es sich um erwachsene Hörgeschädigte,
die
ihr Hörvermögen teilweise oder vollständig eingebüßt haben. Die Rehabilitation richtet sich sowohl
an berufstätige Hörgeschädigte, als auch an Personen, die nicht im Berufsleben stehen.

Den Rehabilitanden wird ein individuelles Kommunikationstraining vermittelt, das ihnen ermöglicht, den kommunikativen Anforderungen im sozialen und beruflichen Umfeld gerecht zu werden. Innerhalb der Rehabilitation wird ein ganzheitlicher Ansatz vertreten.

Wenn keine rehabilitativen Maßnahmen ergriffen werden, besteht die Gefahr, dass Hörgeschädigte in eine soziale Isolation gedrängt werden und dadurch noch weniger in der Lage sind, kommunikative Probleme
zu lösen. Konsequenzen dieses Prozesses sind dann nicht selten Arbeitsplatzverlust, starke psychische Belastungen und psychosomatische Folgebeschwerden. Dieses kann zu einer weiteren Verschärfung der schon schwierigen Situation führen.

Falls eine berufliche Neuorientierung im Vordergrund steht, müssen abgesicherte Aussagen zur Kommunikationssituation und entsprechende Ausbildungsprognosen getroffen werden. Im Vorfeld sind
die Kommunikationsmöglichkeiten zu optimieren. Dies gilt auch für Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen.

Ziele

Die Hörgeschädigten sollen ihre Verständigungsmöglichkeiten erweitern können, indem sie

  • mehr Selbstsicherheit gewinnen,
  • sich aktiv mit der Lebens- und Arbeitswelt auseinandersetzen,
  • die verbliebenen Kommunikationsmöglichkeiten besser nutzen lernen und
  • sich neue Kommunikationsmöglichkeiten erschließen.

Dieses sind Voraussetzungen, um die Probleme im Familien- und Freundeskreis sowie während der Freizeit zu bewältigen. Gleichzeitig kann der Hörgeschädigte nur so seine Interessen und Rechte in der sozialen Umwelt besser wahrnehmen.

Für die berufstätigen Rehabilitationsteilnehmerinnen und -teilnehmer können damit auch die Voraussetzungen geschaffen werden für

  • den Erhalt eines Arbeitsplatzes,
  • die Erschließung eines Arbeitsplatzes,
  • die berufliche Verbesserung und Anpassung,
  • die berufliche Wiedereingliederung oder
  • weitere berufsfördernde oder rehabilitative Maßnahmen.

Die wichtigsten Inhalte

Alle nachstehend aufgeführten Bereiche zielen darauf ab, Hilfen zur Erweiterung der Verständigung zu geben. Die aufgeführten Inhalte werden bei jeder Rehamaßnahme sorgfältig gewichtet und damit den individuellen Bedürfnissen der Gruppe angepasst. Der Hörgeschädigte erhält dadurch die Möglichkeit,
sich mit seiner eigenen Situation aktiv auseinanderzusetzen.

Verhaltenstraining

Im Verhaltenstraining (Hörtaktik) steht der Erfahrungsaustausch unter Hörgeschädigten sowie die Auseinandersetzung mit der eigenen Situation als Hörgeschädigter im Vordergrund. Es wird gezielt
daran gearbeitet, Verständigungssituationen durch eigenes aktives Verhalten zu gestalten. Dieses
wird an praktischen Beispielen des Alltags gelernt und geübt.

Wesentlich ist, dass alle Hilfen zur Verständigung, die in den anderen Unterrichtsbereichen
im einzelnen gesondert besprochen und geübt werden, einbezogen sind.

Es werden individuelle Lösungsstrategien erarbeitet. Diese ermöglichen es Schwerhörigen, soziale Bezugspersonen auf die Besonderheiten der eigenen Hörschädigung hinzuweisen. Die erarbeiteten Stategien sind Hilfstellungen für eine verbesserte Verständigung. Gezielten Informationen sollen Missverständnisse und Konflikte in der zwischenmenschlichen Kommunikation vermeiden.

Absehtraining

Absehen (Mundabsehen) bedeutet, gesprochene Sprache mit Hilfe der beobachteten Mundbewegungen des Sprechers zu verstehen. Für viele Hörgeschädigte ist das Absehen von Sprachlauten eine wichtige
und notwendige Kommunikationshilfe.


Für das Absehen ist neben der visuellen Erfassung der Mundbewegung das Einbeziehen des
eigenen Wissens über den Gesprächsgegenstand, Erkennen situativer Zusammenhänge und vieles
mehr bedeutsam. Neben der Beobachtung der Mundbewegungen nimmt daher das Erfassen von Zusammenhängen während des Absehens einen großen Raum ein. Dazu gehört auch die Berücksichtigung aller Faktoren, die das Absehen erleichtern oder erschweren können.

Technische Hilfen für Hörgeschädigte

Im Vordergrund steht die Informationsvermittlung zu technischen Hilfsmitteln, das Aufzeigen ihrer Vor-
und Nachteile sowie die Klärung von Finanzierungsmöglichkeiten. Die Teilnehmer/innen werden in der Gruppenarbeit mit einer Vielzahl technischer Hilfsmittel vertraut gemacht. Es werden unter anderem FM-Anlagen, Telefonverstärker, optische Türklingeln und Lichtwecker erklärt. Die Rehabilitanden erhalten zudem eine persönliche Beratung hinsichtlich ihres individuellen Bedarfs an technischen Hilfen im häuslichen als auch im beruflichen Umfeld. Hilfsmittel können weitgehend während der Rehabilitation erprobt werden.

Für viele Rehabilitanden sind diese Informationen und Erfahrungen eine Erweiterung ihres Wissenstandes über technische Hilfen. Sie unterstützen bei der Suche nach dem für sie optimalen persönlichen Hilfsmittel. Ein individuell akzeptiertes Hilfsmittel verhilft nicht nur zu einer Optimierung der Verständigung, sondern macht eine aktive Integration in den Lebensalltag erfahrbar.

Dem Hörstatus entsprechend werden auch operative Ansätze wie das Cochlea Implantat ausführlich erklärt. Beratungen erfolgen in der Gruppe sowie in Einzelgesprächen. Jeder Einzelne wird dabei nicht nur fachlich beraten, sondern auch psychosozial unterstützt. Damit wird eine individuelle Entscheidungsfindung ermöglicht. Die medizinische Abklärung einer gesicherten CI-Indikation unterstützen wir in Kooperation mit spezialisierten Kliniken.

Hörgeräteakustik

Während der Rehabilitation erfolgt eine sorgfältige Überprüfung der vorhandenen Hörhilfen. Bedarfsorientiert erfolgt eine kontinuierliche Anpassung der Hörsysteme. Zudem können neue
Hörysteme angepasst und während der Rehabilitation ausführlich getestet werden.

Nonverbale Kommunikation, Körpersprache und manuelle Zeichensysteme

Jeder Mensch verwendet, meist unbewusst, Körpersprache. Sie vermittelt wertvolle Informationen
zu Empfindungen, Meinungen, Einstellungen und Gedanken einer Person. Das Erkennen und
Deuten von Körpersprache ermöglicht eine eigenständige, intensivere und entspanntere Gestaltung zwischenmenschlicher Kommunikation.

Vor diesem Hintergrund werden lautsprachbegleitende Gebärden (LBG) als weiterführende Verständigungshilfen vermittelt, ebenso das Deutsche Fingeralphabet. Dieses stellt eine wichtige
Hilfe in schwierigen Kommunikationssituationen dar und kann das Aufschreiben ersetzen.

Artikulation, Sprech- und Sprachpflege

Als Folge des verminderten Gehörs kommt es oft zu einer Verflachung der Artikulation. Um dem
teilweisen oder vollständigen Kontrollverlust über die eigene Stimme entgegenzuwirken, werden
bestimmte Kenntnisse über wichtige Sprachkomponenten wie Artikulation, Stimmgabe und Atmung vermittelt. Mit Hilfe spezieller Bewegungsübungen für den gesamten Sprechapparat wird die
lautsprachliche Verständlichkeit gefördert.

Psychosozialer Bereich

Persönliche Probleme werden über die oben genannten Inhalte hinaus in einer Selbsterfahrungsgruppe thematisiert und aufgearbeitet. Darüber hinaus finden therapeutische Einzelgespräche statt, die in Häufigkeit und Dauer dem Gesprächsbedarf des Einzelnen angepasst werden. Innerhalb dieser Einzelgespräche kann intensiv auf die individuellen Belastungen eingegangen werden.

Einführung in das Sozial- und Behindertenrecht

Der Hörgeschädigte wird mit den wichtigsten Bereichen aus dem Sozial- und Behindertenrecht
vertraut gemacht und zu einer selbstständigen Inanspruchnahme dieser befähigt.

Krankengymnastik

Gleichgewichtsstörungen treten häufig als Folge einer Hörschädigung auf. Deshalb bildet das Gleichgewichts- und Koordinationstraining den wesentlichen Bestandteil der Krankengymnastik.
Die gelernten Übungen können eigenständig im Alltag fortgesetzt werden. Berücksichtigung finden
ebenso die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmer/innen.

Entspannungstraining

Das Entspannungstraining wird insbesondere unter der Berücksichtigung der eingeschränkten
akustischen Wahrnehmung und der überbeanspruchten visuellen Reizaufnahme angeboten. Es dient
nicht nur einem Ausgleich zu den intensiven Rehabiliationseinheiten. Die Entspannungseinheiten sollen auch den persönlichen Zustand von Anspannung erfahrbar machen. Entspannung kann so gezielt zu gefördert werden.

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